Reaktion auf den VW ID Polo (Bild: VW / Magnific AI)

„Dilenttantisch!“: Wie das Internet auf den neuen VW Polo reagiert

Der neue VW ID Polo ist – überraschenderweise? – ein Mega-Erfolg. Das sorgt für Hohn, Spott und Unverständnis im Netz.

VW hat keine Mitarbeiter für sein Top-Modell

Wenn du in den letzten Monaten nicht unter einem Stein geschlafen hast, hast du es mitbekommen: Der Volkswagen-Konzern steckt in einer gigantischen Krise. Zehntausende Menschen werden entlassen, Werke geschlossen und Marken wie SEAT beerdigt. Die Situation ist mehr als bescheiden.

Zeitgleich bringt Volkswagen den VW ID. Polo – kurz: VW Polo, wir schenken uns dieses unnötige „ID.“ im Namen – auf den Markt. Selbst einen (überteuerten) Polo GTI gibt es. Alles wurde mit großem Tamtam enthüllt.

Wie reagieren die Autokäufer?

Was machen die Menschen? Hassen sie jetzt Volkswagen wegen all den Fehlern und Massenentlassungen? Lassen sie den runderneuerten Polo links liegen? Nein! Sie lieben das neue Elektroauto! Sie lieben es so sehr, dass es innerhalb kürzester Zeit 30.000 Bestellungen für den E-Polo gibt.

Das Ergebnis: „Beim ID. Polo ist die gesamte Reihe ausverkauft“, sagte ein Autohändler voller Erstaunen und Freude. VW selbst erklärt, die Nachfrage habe die „ursprünglichen Erwartungen, insbesondere in Deutschland, deutlich übertroffen“.

Klasse! Ist VW nun gerettet? Können nun zigtausende Arbeitsplätze gerettet werden? Fehlanzeige! Stattdessen bedeutet der Polo-Erfolg: Die Kunden müssen bis zu 12 Monate auf ihr Auto warten.

Äh … was?

Reaktion auf den VW ID Polo (Bild: VW / Magnific AI)
Die teils sehr langen Wartezeiten für den neuen VW Polo sind echt eine Farce. Da kann man sich nur an den Kopf schlagen.

Im WWW gibt es einen Shitstorm

Der Polo ist ein Mega-Erfolg – und Volkswagen zieht weiterhin radikal seinen Sparkurs durch. Passend dazu kommentierte ein Reddit-User sarkastisch: „Darauf erstmal ein paar Werke schließen.“

Ähnlich reagiert ein anderer Forennutzer: „Das will auch nicht in meinen Kopf. Die Leute schreien die ganze Zeit nach solchen Autos, und wenn sie dann kommen, kommt man nicht hinterher und will gleichzeitig Werke schließen.“

Ein anderer Kommentator tut seine Meinung folgendermaßen kund: „Das ist schlicht die grenzenlose Idiotie im Management.“

Autsch.

Warum? Warum? Warum?

Der VW Polo ist kein exotisches Nischenauto. Nein. Das ist und war er noch nie. Sondern ein Auto für die Masse. Eine Marke, die auf erfolgreiche Jahrzehnte zurückblicken kann. Ein echter deutscher Volks-Wagen eben.

Auch der neue E-Polo sollte immer ein Volumenmodell werden. Kompakt. Alltagstauglich. Allzeit bereit. Ohne Schnickschnack. Bezahlbarer als die bisherigen Elektro-VWs. Genau solche Fahrzeuge wurden jahrelang gefordert. Nun ist es da. Endlich!

Und Volkswagen so: „Äh, ist was? Wie, unser Auto ist ein Erfolg? Echt jetzt? Na dann … Uns egal!“

E-Autos sind beliebt? Echt jetzt?

Ein weiterer Reddit-Nutzer fasst die Situation folgendermaßen mit seinen Worten zusammen: „Dass der Wolfsburger Braintrust die Nachfrage falsch einschätzt, ist das VWigste, was VW hätte machen können.“

Ein anderer Kritiker stellt diese sehr gute und berechtigte Frage: „Warum sind deutsche Hersteller immer wieder von der Nachfrage neuer BEVs überrascht?“ Eine gute Frage, immerhin boomen elektrifizierte Autos seit Jahren. Weltweit.

Noch unangenehmer wird es in einem speziellen ID-Polo-Forum. Dort diskutieren Leute, die das Auto tatsächlich kaufen oder bereits bestellt haben. Ein wichtiges Volumenmodell nur an einem Standort bauen zu lassen, sei, so ein User, „dilettantisch“. Besonders absurd findet er, dass Volkswagen gleichzeitig weiter Werbung für das Modell macht und damit zusätzliche Bestellungen einsammelt.

Kritischer Mann vor VW ID Polo GTI (Bild: Volkswagen / Montage: Google Gemini)
Der neue Polo ist genau das E-Auto, das sich die Massen gewünscht haben. Nur leider kriegt es nicht jeder. Zumindest nicht sofort. Schade, schade!

Ganz so einfach ist der VW-Wahnsinn nicht

Volkswagen hat anscheinend wirklich die positive Resonanz auf den neuen Polo unterschätzt. Vollkommen unterschätzt.

Fairerweise muss man aber sagen: Man kann nicht einfach mehrere Tausend Mitarbeiter aus einem deutschen VW-Werk einpacken, nach Spanien fahren und am Montag doppelt so viele Polo bauen lassen.

Spanien? Ja, Spanien. In Martorell wird der neue Polo gebaut. Produktionslinien, Lieferanten, Maschinen und Teileversorgung sind lange im Voraus geplant. Auch Zulieferer können zum Flaschenhals werden.

Der vermeintliche Widerspruch hat also durchaus eine logische Erklärungen. Nur löst das die entscheidende Frage nicht: Wie kann VW von diesem Auto überrascht sein? Warum hat niemand gesehen oder darauf gewettet, dass der Polo ein Rettungsanker für den kranken Konzern werden kann?

Auf einer Website ist die böse Antwort „Zu wenig Arbeitskreise!“ zu lesen.

4M – Das Männermagazin meint dazu …?

Zugegeben, Wirtschaftsprozesse laufen nicht so einfach, wie sie am Stammtisch erscheinen. Aber: Wenn Topmanager verkünden, dass die Werke nicht ausgelastet sind und Zehntausende Mitarbeiter entlassen werden müssen, während Kunden bis zu einem Jahr auf eines deiner wichtigsten neuen Volumenmodelle warten, wirkt das extrem unglaubwürdig. Und inkompetent.

Der neue, elektrische Polo könnte für Volkswagen ein riesiger Erfolg werden. Oder ein gewaltiger Flop, weil die Interessenten mit zu langen Wartezeiten vergrault werden. Denn seien wir mal ehrlich: Die günstigere chinesische Konkurrenz ist im Internet nur ein Klick entfernt!

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Bilder: VW / Magnific AI

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