WLAN Alu Trick (Bild: Magnific AI)

Macht dieser simple Alu-Trick dein WLAN besser?

Etwas Karton und Alufolie sollen dein WLAN-Signal deutlich verbessern. Aber funktioniert diese einfache Lösung wirklich? Das sagen Experten.

Wenn der Router plötzlich einen Aluhut bekommt

Bernd ist verzweifelt. Das WLAN-Signal seines Routers reicht bestens bis ins Schlafzimmer. Im Flur geht’s noch irgendwie. Aber auf der Terrasse verhungert selbst eine WhatsApp-Nachricht. Dagegen muss er etwas tun! Der Mann packt an, indem er eine Alufolie aus dem Küchenschrank nimmt und einen Karton zuschneidet.

Ein paar Minuten später hat Bernd eine Lösung, die ihm intelligent erscheint. Deshalb stellt er sie hinter seinen Router. Die Konstruktion sieht aus wie eine Requisite aus einem schlechten Science-Fiction-Film. Egal! Denn der selbst gebaute Parabolspiegel soll helfen, das WLAN-Signal zu verstärken. Das hat er bei TikTok gesehen.

Hilft der Alufolien-Hack wirklich?

Tatsächlich: Völliger Blödsinn ist die Sache nicht. Denn Alufolie kann WLAN-Funkwellen reflektieren und damit die Ausbreitung des Signals beeinflussen. Die Theorie ist also spitze.

Der entscheidende Punkt steckt allerdings im Wort „beeinflussen“. Der Router sendet dadurch nicht plötzlich kräftiger. Er lenkt lediglich einen Teil seiner vorhandenen Funkenergie in eine andere Richtung.

Ja und? Klingt doch super, oder? Nö! Sagen wir es mal so: Aus einem Gartenschlauch wird auch keine Feuerwehrkanone, nur weil du die Spitze zusammendrückst.

Das Web sagt aber was anderes!

Mit einem selbst gebauten Reflektor seien bis zu 55 Prozent mehr WLAN drin. Diese Zahl geistert seit Jahren durchs World Wide Web. Stimmt. Und stimmt gleichzeitig nicht!

Das hat diesen Grund: Forscher entwickelten 2017 spezielle Reflektoren für WLAN-Router. Dafür wurde zunächst berücksichtigt, wo der Router steht, wie der Raum aufgebaut ist und in welchen Bereichen das Signal stärker oder schwächer werden sollte. Eine Software berechnete anschließend die passende Form des Reflektors, der mit einem 3D-Drucker aus Kunststoff gefertigt und mit einer dünnen Metallschicht versehen wurde.

Das Ergebnis war durchaus beeindruckend: In gewünschten Bereichen konnten die Forscher die Signalstärke um bis zu 6 dB erhöhen und sie an anderen Stellen um bis zu 10 dB reduzieren. Beim Datendurchsatz waren Verbesserungen von bis zu 55 Prozent möglich.

WLAN Alu Trick (Bild: Magnific AI)
Alufolie reflektiert Strahlen. Also müsste das doch die ultimative Waffe gegen WLAN-Probleme sein, oder?

Na also, das ist der Beweis!

Nein! Ein Pi-mal-Daumen zurechtgeschnittener und grob gebogener Karton hat mit dem wissenschaftlichen Aufbau recht wenig gemeinsam. Du würdest ja auch nicht behaupten, dass dein Campingkocher mit einer Einbauküche konkurrieren kann, oder?

Was ebenfalls wichtig ist: Die häufig zitierten 55 Prozent bedeuten nicht „55 Prozent mehr Signalstärke“. In der Untersuchung ging es bei dieser Zahl um den gesteigerten Datendurchsatz. Nicht um die Verbesserung des WLAN-Signals an sich.

Was bringt der Karton-Alu-Trick wirklich?

Theorie ist gut, ein Test ist besser! Deshalb probierte CHIP diesen Billig-Aufbau genau aus. Hierzu hat die Redaktion einen Karton mit Alufolie ausgekleidet, gebogen und hinter einem Router platziert. Das Ziel von CHIP war es, das Signal so zu verbessern, dass es einen Platz im Garten besser erreicht.

Dort zeigte die Test-App vor dem Umbau folgende Werte: 16 Prozent Signalstärke, 92 MBit/s und 54 Prozent Paketverlust. Nach einigem Herumfummeln am Reflektor standen 22 Prozent, 124 MBit/s und 11 Prozent Paketverlust auf dem Display. 

Der Test war also erfolgreich, TikTok hatte Recht – oder? Oh nein!

WLAN-Schlucker (Bild: Google Gemini)
Schon gewusst? Ein Aquarium im Zimmer kann dein WLAN-Signal „schlucken“ und damit deutlich schlechter machen.

Was der Test immer wieder zeigte

CHIP wiederholte die Messungen im Stundentakt. Die Ergebnisse schwankten deutlich. Einen dauerhaft stabileren Empfang konnte der Test deshalb ausdrücklich nicht bestätigen.

Die Redaktion bezeichnet die Konstruktion letztlich als wenig empfehlenswerte Lösung. Moderne WLAN-Technik mit MIMO, Beamforming, Reflexionen an Wänden und wechselnden Funkbedingungen macht den ganzen Aufbau zusätzlich schwer vorhersehbar. Man könnte auch sagen: Der Alufolien-Router-Trick ist eine Art Roulette-Spiel: Mal geht es gut aus, mal nicht.

Warum Alufolie (nicht) funktionieren kann

Stell dir deinen Router vereinfacht wie eine Lampe vor, die möglichst viele Bereiche beleuchten soll. Stellst du dahinter einen Reflektor, landet mehr Licht vor der Lampe und weniger dahinter. Bei Funkwellen ist das Prinzip zwar etwas komplizierter, aber der Grundgedanke passt.

Genau deshalb kann der Trick in einer ganz bestimmten Situation sinnvoll sein: Dein Router steht am Rand der Wohnung und du brauchst das WLAN hauptsächlich in einer klar definierten Richtung. Dann kann ein passend positionierter Reflektor durchaus etwas bringen.

Willst du dagegen Küche, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Keller und Balkon gleichzeitig besser versorgen, wird die Sache absurd. Weshalb? Du hast kein Richtungsproblem, sondern ein Reichweitenproblem. Hilft der Trick beim Reichweitenproblem? Nö!

WLAN Alu Trick (Bild: Magnific AI)
Ein gut platzierter Router ist das A und O, um deine Bude mit einem schnellen, stabilen Signal zu versorgen!

Was ist der beste Tipp für besseres WLAN?

Der effektivste WLAN-Trick taugt leider nicht für TikTok-Videos, da er ziemlich unsexy klingt. Er lautet: Stelle deinen Router um! Das Ding sollte möglichst frei, erhöht und eher zentral stehen. Nicht unten auf dem Boden. Nicht im geschlossenen Schrank. Nicht hinter dem Fernseher zwischen Kabelsalat. Nicht hinter einer Vase, die Tante Helga mal mitgebracht hat.

WLAN-Systeme brauchen eine möglichst zentrale, offene und erhöhte Position. Schon Hindernisse und wenige Änderungen beim Standort können die Funkversorgung beeinflussen. Zum Beispiel können Spiegel, TV-Geräte und Aquarien dein WLAN „killen“.

Wenn das nicht reicht, brauchst du eine echte Lösung

Bei einer größeren Wohnung oder einem Haus mit mehreren Etagen kommt irgendwann eine spezielle Hardware ins Spiel. Du brauchst einen Repeater!

Ein Repeater macht etwas völlig anderes als der Alu-Karton: Er empfängt das WLAN und sendet es von einer neuen Position weiter. Wichtig ist deshalb auch hier der Standort. Das Gerät gehört nicht mitten ins tiefste Funkloch, wo das WLAN-Signal kaum noch ankommt, sondern grob zwischen Router und Problemzone.

Das bringt nicht viel? Bei mehreren Problemstellen ist ein Mesh-System häufig die sauberere Lösung. Und wenn sich ein Netzwerkkabel verlegen lässt, ist ein per Ethernet angebundener Access Point besonders interessant.

4M – Das Männermagazin meint dazu …?

Mach es nicht wie Bernd! Ja, Alufolie kann dein WLAN verbessern. Nein, sie ist kein WLAN-Verstärker für 89 Cent. Der Trick funktioniert nur deshalb, weil Metall Funkwellen umlenken kann. Genau darin steckt gleichzeitig sein größtes Manko: Was du in eine Richtung schiebst, steht anderswo möglicherweise nicht mehr zur Verfügung.

Du löst also mit der Alu-Konstruktion ein Problem und schaffst dir damit ein neues. Das klingt nur semi-klug. Also … lass die Alufolie da, wo sie hingehört: In der Küche und auf den Grill.

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Bilder: Magnific AI

 

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