Wenn du nachts Fritzbox & Co. aussteckst, sparst du Strom und damit Geld. Ja, das stimmt. Trotzdem kann das eine doofe Idee sein!
Feierabend für den Router!?
Licht aus. Fernseher aus. Kaffeemaschine aus. Bevor du ins Bett gehst, bekommt auch der Router den Stecker gezogen. Acht Stunden lang kein Stromverbrauch, keine Stromkosten, kein WLAN-Gefunke und theoretisch auch kein Hacker, der nachts durch dein Heimnetz spaziert, weil es Probleme bei der IT-Security gab.
Das klingt nach schwäbischer Sparsamkeit und deutscher Vernunft. Alles super, oder?
Nein! Zum einen fallen die vermeintlichen Vorteile sehr gering aus. Zum anderen holst du dir mit der Aktion neue Probleme ins nächtliche Haus.
Wie viel Geld spart ein ausgeschalteter Router?
Ein moderner WLAN-Router benötigt im Mittel ungefähr 10 Watt. Nehmen wir an, du schaltest das Gerät jede Nacht komplett aus. Bei einem Strompreis von 35 Cent pro Kilowattstunde kommst du übers Jahr auf eine Ersparnis von ungefähr 10 Euro.
Zehn Euro. Nicht pro Monat. Pro Jahr! Selbst bei einem besonders stromhungrigen Router oder einem teuren Stromtarif kommst du maximal auf 20 Euro jährliche Ersparnis.
Natürlich: Geschenktes Geld ist geschenktes Geld. Aber bevor du jetzt jeden Abend mit der Steckdosenleiste kämpfst wie Indiana Jones mit dem Tempeltor, solltest du die möglichen Nebenwirkungen kennen.
Problem 1: DSL-Anschluss
Verschwindet dein Router regelmäßig komplett aus dem Netz, kann ein solcher Verbindungsabbruch von einem DSL-Analysesystem als Leitungsproblem interpretiert werden. Die mögliche Reaktion: Das System reduziert schrittweise die Bandbreite, um die vermeintlich instabile Verbindung stabiler zu bekommen.
Was bedeutet das jetzt ohne Fachchinesisch? Wenn du ständig abends den Stecker ziehst, um ein paar Cent zu sparen, brauchst du dich nicht wundern, warum deine Internetleitung irgendwann gemütlicher unterwegs ist als ein Wohnmobil auf der rechten Autobahnspur.

Problem 2: Festnetz-Telefon
Früher hatte das Telefon seine eigene Leitung. Heute läuft die Festnetztelefonie über den Internetanschluss, also per Voice over IP (VoIP). Also auch über deinen Router.
Das Router-Aus bedeutet dann: Dein Telefon ist auch aus. Du kannst dann über den Festnetzanschluss weder angerufen werden noch selbst telefonieren. Im normalen Alltag fällt das vielleicht kaum auf, schließlich liegt dein Smartphone wahrscheinlich eh auf dem Nachttisch.
Bei einem Notfall sieht die Sache aber anders aus. Besonders in Haushalten mit Kindern oder älteren Familienmitgliedern kann eine funktionierende, zusätzliche Telefonverbindung ziemlich sinnvoll sein!
Problem 3: Smart Home
Dein Festnetztelefon ist nicht das einzige Gerät, das nach einem Router schreit! Es gibt sicherlich noch zig Geräte, die in deinem WLAN hängen. Zum Beispiel dein Amazon FireTV Stick zum Streamen, deine smarte Überwachungskamera, die Tablets deiner Kinder, die Smartphones aller Familienmitglieder, die vernetzte Kaffeemaschine …
Wird nachts das komplette Netzwerk stillgelegt, funktioniert die Technik, die einen Internet-Zugang braucht, logischerweise auch nicht mehr. Willst du das wirklich?
Was ist mit der WLAN-Strahlung?
Hier hat das nächtliche Abschalten tatsächlich einen eindeutigen Effekt: Ein ausgeschalteter Router sendet keine Signale. Doch überschätze deine Fritzbox nicht!
Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt grundsätzlich, die persönliche Belastung durch hochfrequente elektromagnetische Felder zu minimieren. Gleichzeitig unterliegt die Sendeleistung von Routern strengen Grenzwerten. Die gilt nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand als gesundheitlich unbedenklich.
Anstatt den Router ständig auszuschalten, könnte es besser sein, das Ding an einen anderen Platz zu stellen. Verbanne Speedport, Fritzbox & Co. beispielsweise aus dem Schlafzimmer oder Kinderzimmer. Allerdings könnte es dann sein, dass sich der WLAN-Empfang in der Wohnung oder im Haus verschlechtert…
4M – Das Männermagazin meint dazu …?
Den Router jeden Abend auszuschalten, klingt nach einem dieser Spartipps, bei denen man sich wunderbar vernünftig fühlt. Bis man(n) nachrechnet.
Zehn Euro im Jahr sind nett. Aber ist es das wert, dafür möglicherweise Telefon, Smart-Home-Funktionen und bei DSL sogar die Leitungsstabilität aufs Spiel zu setzen? Nö, das macht keinen Sinn! Die Folgen sind größer als der Gewinn. Also lass es.
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Bilder: Magnific AI















