Strand Entspannung Cocktail (Bild: Magnific AI)

Warum du dein Urlaubskonto nicht für lange Auszeiten horten solltest

Sparst du deine Urlaubstage für große Reisen auf? Das könnte ein Fehler sein! Eine Studie zeigt, dass ein anderes Vorgehen besser wäre.

Dein Akku ist leer. Und der Urlaub in weiter Ferne.

Montag, 5:30 Uhr. Der Wecker klingelt, draußen ist es noch dunkel. Wie deprimierend! Du hast absolut keine Lust, dich anzuziehen, ins Auto zu steigen, zur Arbeit zu fahren und acht Stunden lang deinen langweiligen Job auszuführen. Urlaub! „Ich will Urlaub”, denkst du dir.

Doch dein nächster Urlaub ist noch in weiter Ferne. Du musst noch gut vier Monate durchhalten, bis dich zwei Wochen am Stück aus deinem tristen Alltag retten. Klingt nach einem Plan, oder? Aber das ist vermutlich ein Denkfehler!

Genau dieses Modell – das große Paket schnüren und dann durchhalten – haben Forscher der University of the Sunshine Coast in Queensland nämlich unter die Lupe genommen, gemeinsam mit den Kollegen der University of Canterbury in Neuseeland. Das Ergebnis könnte deine gut durchdachte Urlaubsplanung komplett über den Haufen werfen.

Wie die Studie ablief

Zwischen 2020 und 2023 füllten mehr als 1.200 australische Reisende in drei separaten Studien ausführliche Fragebögen aus. Sie gaben unter anderem an, wie oft sie in ihrer Freizeit verreisen, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind und wie gut sie nach eigener Einschätzung mit den Belastungen ihres Alltags zurechtkommen.

Die Forscher maßen außerdem, wie verletzlich sich die Teilnehmer fühlten. Das heißt, wie stark sie Krisen und Unsicherheiten als Bedrohung wahrnahmen. Hierzu schätzten die Befragten auf einer Skala von eins bis neun ein, wie häufig sie Glück und Heiterkeit, aber auch Liebe und Ärger verspüren.

Was sollte damit herausgefunden werden? Es sollte untersucht werden, ob Reisehäufigkeit, Emotionen, seelische Widerstandskraft und Lebensqualität nachweisbar zusammenhängen.

Kurzurlaub in Fachwerkstadt (Bild: Magnific AI)
Muss man immer in die Ferne schweifen und lange Trips machen, um sich glücklich zu fühlen? Eine gute Frage, oder?

Was die Studie deutlich zeigte

Das Ergebnis zeigt eine deutliche Tendenz: Menschen, die häufiger verreisen, berichten von mehr Glücksgefühlen. Wer mehr Glück erlebt, ist widerstandsfähiger. Und wer widerstandsfähiger ist, bewertet seine Lebensqualität als besser.

Das bedeutet, dass die Häufigkeit der Reisen nicht direkt, sondern über zwei Zwischenstufen, die sich gegenseitig verstärken, auf deine Zufriedenheit wirkt. Die einfache Zusammenfassung der Studie lautet also: Mehr reisen, desto besser für dein Leben.

Dahinter steckt die Broaden-and-Build-Theorie aus der Positiven Psychologie. Klingt sperrig, ist aber eingängig: Positive Gefühle wie Freude, Neugier und Zufriedenheit weiten den Blick. Wer sich wohlfühlt, denkt offener, probiert Neues aus und knüpft Kontakte. Aus diesen Erfahrungen entstehen mit der Zeit dauerhafte neue Kräfte, etwa die Fähigkeit, Rückschläge zu verkraften.

Was bedeutet das?

Reisen ist laut den Forschern ein ideales Umfeld für die eben genannten positiven Aspekte. Warum? Weil es neue Orte, fremde Kulturen und ungewohnte Erlebnisse in kurzer Zeit bündelt. Entscheidend ist dabei die Häufigkeit und nicht die Länge oder Entfernung der Reisen.

Die Forscher empfehlen daher, die freien Tage lieber in viele kurze Auszeiten in der Nähe zu investieren statt in eine einzige große Reise im Jahr. Denn jede einzelne dieser Auszeiten stößt den Kreislauf aus Glück und Widerstandskraft erneut an.

Urlaub ist somit nicht nur eine Pause vom Alltag, sondern der Anstoß für einen positiven Kreislauf, der nach der Rückkehr weiterläuft.

Kurzurlaub in Köln (Bild: Magnific AI)
Einfach mal raus! Und wenn es nur ein oder zwei Tage sind. Hauptsache, dem Alltag entfliehen. Das hat viele positive Effekte!

Die große Überraschung

Jetzt wird es spannend. Denn der überraschendste Befund der Studie betrifft die Frage, wer am meisten gewinnt. Nicht die entspannten und ausgeglichenen Reisenden!

Nein, der Zusammenhang zwischen Reisehäufigkeit und Lebensqualität war bei Menschen am stärksten, die sich verletzlich fühlten oder nach eigener Aussage schlecht mit Stress umgehen konnten. Ihnen gelang es offenbar besonders gut, die positiven Gefühle einer Reise in innere Stärke umzumünzen.

Das klingt erst mal paradox, lässt sich aber erklären. Denn: Wer ohnehin gut gewappnet ist, hat wenig Spielraum nach oben. Wer dagegen wenig Rückhalt hat, spürt jeden zusätzlichen Baustein. Bei Teilnehmern mit mittleren oder guten Bewältigungsstrategien fiel der Nutzen häufiger Reisen entsprechend schwächer aus.

Wo die Studie an ihre Grenzen stößt

Bevor du nun dein gesamtes Urlaubskonto für zwölf Wochenenden verbrauchst, hier ein paar nüchterne Punkte. Die Ergebnisse beruhen ausschließlich auf Selbstauskünften in Fragebögen. Die Studie misst Zusammenhänge, sie beweist keine Ursache. Es ist auch denkbar, dass Menschen, die ohnehin glücklicher und belastbarer sind, einfach häufiger verreisen, weil sie mehr Energie, Zeit oder Geld dafür haben.

Die Forscher haben zwar mehrere Einflussgrößen statistisch berücksichtigt. Ein kontrolliertes Experiment, in dem der Zufall über die Zahl der Reisen entscheidet, ersetzt das jedoch nicht. Hinzu kommt, dass alle Teilnehmer aus Australien stammten und ein Teil der Daten aus den Corona-Jahren stammt, in denen Reisen eine besondere Bedeutung hatten.

Kurzurlaub am See (Bild: Magnific AI)
Ein Tapetenwechsel ist wichtig. Doch dafür musst du nicht weit wegfahren oder wegfliegen.

4M – Das Männermagazin meint dazu …?

Monate lang die Zähne zusammenbeißen, dann folgt die große Reise. Diese Auszeit soll dann alles kompensieren, was davor schlecht lief. So denken viele Menschen. Ein Fehler! Laut einer Studie ist ein verlängertes Wochenende an der Küste, zwei Nächte in den Bergen oder ein Städtetrip mit dem Zug besser als ein langer Urlaub.

Die Forscher leiten daraus konkrete Empfehlungen ab: Reiseveranstalter könnten gezielt Angebote für gestresste und verletzliche Menschen entwickeln. Therapeuten sollten den psychischen Wert regelmäßiger Auszeiten zudem stärker in Beratungsgesprächen berücksichtigen. Urlaub als Rezept, sozusagen.

Was hältst du davon? Wirst du nun deine Urlaubsplanung über den Haufen werfen und deine Auszeiten anders planen? Hinterlasse deine Meinung gerne als Kommentar!

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Bilder: Magnific AI

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