Netflix Bingewatching TV (Bild: Magnific AI)

Aufgepasst, Serienjunkies! So schädlich ist Bingewatching

Du liebst XL-Filmabende und Bingewatching? Dann solltest du vorsichtig sein, denn langes Fernsehen kann schwere gesundheitliche Folgen haben.

Dienstag Abend, 1:47 Uhr, Folge sieben

Da sitzt du. Chipsreste auf der Couch. Das dritte Bier lauwarm. Der Fernseher fragt dich mal wieder, ob du die nächste Folge sehen willst. Klick. Selbstverständlich willst du! Der Cliffhanger der letzten Folge war ja auch echt fies.

Also noch eine Folge. Und noch eine. Und noch eine . Um drei Uhr nachts weißt du dann zwar, wer der Mörder war, aber nicht mehr, wie du um sechs Uhr aus dem Bett kommst.

Das Ritual kennst du, oder? Immerhin liefern dir die Streaming-Anbieter endlose Kataloge und die nächste Folge startet schneller, als du „Eigentlich sollte ich pennen“ sagen kannst. Nur leider hat die ganze Sache einen Haken. Genauer genommen mehrere. Und die gehen alle auf dein Konto.

TV-Spionage (Bild: Magnific AI)

Dein Gedächtnis hat den Serienmarathon satt

Hier kommt erstmal eine Überraschung, die du so nicht erwartet hast. Ein Forscherteam der University of Melbourne hat rausgefunden, dass es für dein Gedächtnis einen echten Unterschied macht, ob du eine Serie am Stück schaust oder wöchentlich in Häppchen.

Das Ergebnis klingt erstmal gut für dich als Marathon-Schauer: 24 Stunden nach der letzten Folge konntest du dich noch besser an die Handlung erinnern als die Woche-für-Woche-Zuschauer. Klasse! Doch 140 Tage später sieht die Welt ganz anders aus. Die Häppchen-Zuschauer erinnerten sich noch ziemlich gut an die Serie und ihre Handlung. Die Bingewatcher dagegen kaum noch.

Der Psychologe Edgar Erdfelder von der Universität Mannheim erklärt das ganz nüchtern: Der Mensch lernt besser, wenn er sich den Stoff aufteilt. Zu viel Input auf einmal bedeutet, dein Gehirn verarbeitet relevante Infos schlechter. Genau aus dem Grund hast du in der Schule auch nicht das komplette Schuljahr an einem Wochenende gebüffelt. Klingt logisch, oder?

Das Alleinsein auf dem Sofa ist giftiger als du denkst

Gemütlich und allein auf der Couch sitzen und Folge um Folge durchziehen, das klingt nach Entspannung. Zumindest für gestresste Väter und entnervte Ehemänner. Doch Forscher der University of Buffalo und der Mount Sinai School of Medicine haben aber was anderes rausgefunden: Die stundenlange Einsamkeit beim Bingewatchen drosselt die Myelin-Produktion in deinem Gehirn.

Falls das Wort „Myelin“ bei dir nur ein Fragezeichen auslöst: Das ist quasi die Schutzschicht deiner Nerven. Fehlt davon was, wirst du anfälliger für Depressionen und Angstzustände. Das ist keine Kleinigkeit, sondern ziemlich harter Tobak für ein paar Stunden Serienglück.

Du merkst, worauf das hinausläuft. Das Problem ist nicht die Serie selbst. Das Problem ist, dass du dabei stundenlang allein mit dir und dem Bildschirm bist, während dein Hirn nebenbei ihre Schutzschichten abbaut.

Mann mit einem Bier auf der Couch (Bild: Magnific)

Chips, Cola, Couch: Das Trio, das dir den Rest gibt

Und dann wäre noch die physische Seite der Sache. Wer täglich stundenlang vor dem Fernseher sitzt, dem mangelt es schlicht an Bewegung. Ok, das ist keine neue Erkenntnis.

Dazu kommt noch etwas: die schlechte Ernährung. Denn die allerwenigsten Männer knabbern beim Bingewatching gesunde Gemüsesticks und trinken dazu stilles Wasser. Alkoholhaltige Getränke und süßes Zeugs gehören bei den meisten zum Seriengenuss dazu wie der Cliffhanger zur finalen Episode.

Wenig Bewegung plus schlechtes Essen ist die Kombination, die dann deiner Gesundheit richtig ans Leder geht. Deiner Fitness gefällt das gar nicht.

Warum du nach „Stranger Things“ nicht schlafen kannst

Zum Schluss kommt noch ein weiterer Schädling dazu: der gestohlene Schlaf. Wer abends kein Ende findet und morgens trotzdem früh raus muss, raubt sich selbst wertvolle Stunden. Deine Kollegen merken das. Dein Chef merkt das. Und du merkst es auch, wenn du ehrlich zu dir selbst bist.

Eine Studie unter 18- bis 25-Jährigen zeigt: Bingewatcher haben eine 98 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, schlechter zu schlafen. In einem Drittel aller Fälle war der schlechte Schlaf direkt auf den exzessiven Serienkonsum zurückzuführen.

Die Erklärung dafür ist klar: Wenn du bei „Stranger Things“ stundenlang durch den Düsterwald irrst, dann entfliehst du dem nach dem Ausschalten nicht einfach. Die Story fesselt dich so sehr, dass sie dich sogar im Schlaf weiterverfolgt. Dein Kopf dreht die Folge einfach nochmal. Das sorgt für Stress und miese (Un-)Ruhestunden.

Mann entnervt im Bett (Bild: Magnific AI)

Musst du jetzt dein Abo kündigen? Nö.

Was ist die Lösung? Netflix-Abo weg, Sky weg, Amazon weg? Denkste! So drastisch musst du gar nicht reagieren. Die Dosis macht das Gift. Genau da liegt der Trick.

Am Abend eine oder zwei Folgen deiner Lieblingsserie sind völlig in Ordnung und ungefährlich. Das hat sogar einen positiven Nebeneffekt, den die Melbourne-Forscher herausgefunden haben: Du hast länger etwas von der spannenden Handlung, weil du sie – wie schon gesagt – im Gedächtnis behältst.

Und für deinen Schlaf gibt’s einen simplen Tipp: Fang früher am Abend mit dem Fernsehen an. Zum eigentlichen Tagesabschluss greifst du dann lieber zu einem Buch oder hörst ruhige Musik. Dann schläfst du auch besser.

4M – Das Männermagazin meint dazu …?

Etwas Bingewatching ist theoretisch kein Killer für deine Gesundheit. Eine oder zwei Folgen sind eine Art Feierabendbier für deinen Kopf. Sieben Folgen sind eine Sauftour, die dein Gedächtnis, deinen Schlaf und dein Gemüt zahlen lässt.

Also, sei nächstes Mal stark. Schalte deinen Fernseher ab, wenn Netflix erneut eine neue Episode deiner Lieblingsserie starten will!

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Bilder: Magnific AI

 

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