Private Einblicke, Sextortion, Passwortklau und Bitcoin-Abzocke: Es gibt echt perfide Methoden, um dich unter Druck zu setzen.
Warum du jetzt nicht in Panik verfallen solltest
Du öffnest dein Postfach und da ist sie: Eine Mail mit dem Betreff „Dein Konto wurde gehackt“. Dein Herzschlag beschleunigt sich, du fängst an zu schwitzen. Die Nachricht behauptet, sie hätten dich durch deine Webcam gefilmt – beim Konsum von Inhalten, über die du mit niemandem sprichst.
Jetzt will der Absender eine gewisse Summe an Bitcoin von dir haben. Sonst geht das Video an Freunde, Familie oder deinen Chef.
Klingt wie ein Albtraum, oder? Ist es aber nicht! Denn hier kommt gleich die gute Nachricht: In 99 Prozent der Fälle ist das alles nur heiße Luft.
Die Masche: So ticken die Erpresser
Die Mails folgen immer demselben Schema. Es gibt eine Betreffzeile mit Reizwörtern wie „Sicherheit“, „Video“ oder „Konto“. Dann der Text: Irgendjemand behauptet, er habe deine Webcam gehackt, dich beim Surfen auf pikanten Seiten beobachtet, die man nicht gerade im Lebenslauf erwähnt. Die Forderung: Ein paar Bitcoins als Lösegeld, sonst erfahren nahestehende Leute Dinge über dich, die sie lieber nicht wissen sollten.
Klingt einschüchternd, oder? Die Verbraucherzentrale NRW sammelt zum Beispiel solche Mails seit 2019 und weiß: Die meisten Absender haben rein gar nichts in der Hand. Kein Video, kein Foto, nicht mal einen Screenshot. Sie setzen einzig und allein auf deine Angst.
Doch diese Masche funktioniert erstaunlich gut. Denn wer will schon, dass Oma und deine neue Freundin erfahren, was man abends im Stillen so treibt?

Woher kennen die Epresser deine Passwörter?
Jetzt wird’s unheimlich. Denn in manchen Mails steht tatsächlich ein Passwort, das du mal benutzt hast. Oder deine Handynummer. Oder sogar deine Adresse.
Wie zum Teufel wissen die Erpresser das alles? Ganz einfach: Irgendwo im Darknet wurde eine Datenbank gehackt. Vielleicht von einen Onlineshop, bei dem du vor Jahren mal was bestellt hast. Die Erpresser haben diese Daten und streuen sie in ihre Mails ein, damit alles glaubwürdiger wirkt.
Falls du also eine Mail mit einem Passwort bekommst, das du tatsächlich mal genutzt hast: Ändere es. Sofort. Überall, wo du es verwendest.
Kann deine Webcam wirklich gehackt werden?
Theoretisch ja. Praktisch eher unwahrscheinlich. Es gab tatsächlich schon Fälle, in denen Sicherheitslücken es ermöglicht haben, Kameras fernzusteuern. Aber: Die meisten Hersteller stopfen diese Löcher schneller, als du „Hilfe“ rufen kannst. Sofern du von Hand die nötigen Updates einspielst oder die Auto-Update-Funktion eingeschaltet hast.
Selbst wenn jemand Zugriff auf deinen Rechner hätte … Warum sollte er sich die Mühe machen, dich heimlich zu filmen, wenn er stattdessen einfach deine Bankdaten klauen könnte? Das wäre doch viel einfacher und lukrativer.

Sextortion: Wenn es doch ernst wird
Es gibt aber auch eine echt fiese Variante dieser Erpressungsmethode. Die, bei der die Aussage, man habe dich gefilmt, kein Bluff ist. Beim sogenannten „Sextortion“ locken dich die Erpresser in einen Videochat. Sie überreden dich, dich auszuziehen oder Dinge zu tun, die du nicht tun solltest – und filmen das Ganze.
Danach kommt die Erpressung. Dieses Mal haben die Gauner wirklich etwas gegen dich in der Hand. Vielleicht sogar etwas, was wirklich niemand sehen sollte.
Aber auch hier gilt: Nicht zahlen. Warum? Weil die Erfahrung zeigt, dass die Aufnahmen trotzdem veröffentlicht werden. Oder die Erpresser kommen einfach wieder. Und wieder. Und wieder.
Was tun, wenn die Mail im Postfach landet?
Erstmal durchatmen. Die meisten dieser Mails sind nur leere Drohungen. Und dann? Zahlen? Auf keinen Fall! Damit bestätigst du nur, dass deine Adresse aktiv ist – und machst dich zum Ziel für weitere Erpressungsversuche.
Anhänge öffnen? Auch nicht. Dahinter versteckt sich oft Schadsoftware, die dein System infiziert. Und nein, antworten bringt auch nichts. Die Erpresser wollen nur wissen, dass sie dich unter Druck setzen können.
Besser: Die Mail an die Polizei oder die Verbraucherzentrale weiterleiten. Die können zwar selten die Täter fassen, aber jede Meldung hilft, das Ausmaß der Masche sichtbar zu machen.
4M – Das Männermagazin meint dazu …?
Am Ende ist es wie mit so vielen Dingen im Leben: Die größte Waffe der Erpresser ist deine Angst. Die kannst du ihnen nehmen. Beispielsweise indem du weißt, dass die meisten dieser Mails nur leere Drohungen sind. Dass die Typen am anderen Ende in den meisten Fällen nichts haben – außer einer Liste mit alten Passwörtern und einer großen Portion Chuzpe.
Also: Nicht zahlen, nicht antworten, nicht in Panik verfallen. Zudem solltest du deine Webcam immer ausschalten, wenn du sie nicht brauchst, und stets alle Systemupdates installieren. Mehr brauchst du nicht.
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Bilder: Magnific AI









